Samstag, 4. Juni 2016

Geschrieben | Tagebuch, Tagebuch in meiner Hand



Schreib doch mal einen Blog-Eintrag über das Tagebuch-Schreiben. Du führst doch schon so lange eines, du hast doch bestimmt ein paar Tipps!, schrieb mir eine Freundin vor ein paar Tagen. Sie tat ich schwer damit, wieder damit anzufangen und ich dachte darüber nach.
Konnte ich Tipps dazu geben, wie man ein Tagebuch führt? War es etwas, wozu man Tipps brauchte? 
Oft - und in letzter Zeit immer mehr - gehen mir schreibtechnische Dinge immer leichter von der Hand, das nachträgliche Bearbeiten mal kurz beiseite gelassen. Aber bei einem Tagebuch ist das doch noch einmal etwas anderes, als wenn ich ein Word-Dokument öffne und Charaktere drauf los handeln und erzählen lasse.
Ich hatte keine Ahnung, ob ich wirklich gute Tipps zum Tagebuchschreiben geben konnte, daher fragte ich meine Freundin, welche Fragen sie sich denn gestellt hätte. Wir unterhielten uns ein wenig und das ist das detailliertere Ergebnis. ;) (Die ersten drei Fragen sind einleitungs-technisch von mir selbst.)

So, here we go!



Wie lange führst Du schon Tagebuch?


Seeeehr lange! Seit etlichen Jahren und ich habe schon so einige Notizbücher gefüllt. Aber auch ich hatte Phasen, wo ich Wochen wenn nicht gar Monate lang nichts in mein Tagebuch geschrieben habe. 
Angefangen habe ich in Briefform, damals war ich ungefähr zehn Jahre alt? Ich bin mir nicht mehr ganz sicher, aber ich war noch sehr jung. Mein Tagebuch hatte einen Namen (es schwankte zwischen Mimmi, Mimms und Mim - ich mag den Namen immer noch, fällt mir gerade auf...) und ich schrieb quasi wirklich einen Brief hinein. Meist erzählte ich von meinem Tag, was ich gemacht und erlebt hatte. Sehr belangloses Zeug also. Erst als ich in die Pubertät kam und die Hormone sich ihren Spaß mit mir erlaubten, wurde es etwas ernster in meinem Tagebuch. Ich erzählte davon, wie ich mich den Tag über gefühlt hatte, welche Träume sehr schön waren, welche mich irgendwie beschäftigten. Natürlich auch, auf welchen Jungen ich gerade aktuell stand. All sowas, ihr kennt das sicherlich.
Und nun im eher erwachseneren Alter habe ich aufgehört, meinem Tagebuch einen Namen zu geben, geschweige denn in Briefform zu schreiben. Erst seit Kurzem ist die Phase vorbei, in der ich nur sporadisch geschrieben habe, was vor allem daran lag, dass der Platz zur Neige ging und ich irgendwie nicht dazu kam, mir ein neues Notizbuch zu kaufen.



Was sollte man in sein Tagebuch schreiben?


Ich denke, das ist bei jedem Menschen unterschiedlich und kommt auch darauf an, aus welchem Grund man (wieder) anfangen möchte, Tagebuch zu führen. Ich für meinen Teil bleibe momentan relativ oberflächlich, weil ich nicht tiefer gehen möchte. Wenn man aber beispielsweise gerade deswegen Tagebuch führen möchte, weil einen bestimmte Dinge beschäftigen und man sich Dinge "von der Seele" schreiben möchte, dann sollte man so gut es geht versuchen, sehr detailliert zu beschreiben, was in einem vorgeht und wie man sich in welcher Situation fühlt.
Wenn man Tagebuch führt, um sein Leben und seine Tagesabläufe etwas besser zu strukturieren, kann man auch seine imaginäre To-Do-Liste ausformulieren oder sich generell aufschreiben, an was man noch denken will.
Es kommt also total darauf an, was man möchte und ich denke, das ist eines der Dinge, die man sich am Anfang klar machen sollte. Wenn es sich zwischendurch ändert, ist das ja überhaupt nicht schlimm oder wenn man erst einmal nur damit anfängt, seine Tagesabläufe und -planungen nieder zu schreiben, um sich langsam darin einzuarbeiten.



Von oben nach unten: Haushaltsbuch, Kalender, Roman-Notizbuch (älter, nutze ich momentan kaum), Tagebuch, Food-Diary, Notizbuch für alles (aktuell genutzt).



Hier noch einmal die drei Bücher, die ich momentan am meisten nutze: Tage-, Food-Diary- und Notizbuch.


Wann sollte man Tagebucheinträge verfassen?


Auch eine Sache, die jeder vermutlich anders macht. Persönlich kann ich nur empfehlen, es morgens oder abends im Bett zu machen. Ich selbst schreibe immer direkt vor dem Schlafengehen in mein Tagebuch. Wenn alles still ist, keine Serie oder Musik mehr läuft und auch erst nachdem ich abends gelesen habe. Also wirklich direkt bevor ich das Licht ausknipse und mich schlafen lege. Für mich ist das die beste Zeit, da ich dann die meiste Ruhe habe und auch mein Kopf etwas leiser wird. 
Allerdings finde ich die Idee, morgens bevor der Tag losgeht eine kleine Tagesablaufs-Planung in das Tagebuch zu schreiben, auch nicht schlecht. Vielleicht würde mir selbst das auch an manchen Tagen helfen, nicht zu sehr in eine "Mach ich morgen"-Stimmung zu verfallen.
Ganz generell sollte man aber mit Ruhe und Abgeschiedenheit in sein Tagebuch schreiben. In der Bahn auf dem Weg zur Schule / Arbeit / Uni oder beim nachmittäglichen Kaffeetrinken in einem Café sind nicht die besten Orte, Gedanken niederzuschreiben. :D



Sollte man sein altes Tagebuch benutzen oder ein neues anfangen?


Pauschal würde ich sagen, dass das auf die Dauer ankommt, die zwischen Jetzt und dem letzten Eintrag liegt. Nach langer Zeit, also einem Jahr oder länger, würde ich ein neues anfangen. Einfach um einen frischen Start zu haben und vielleicht auch mit mehr Elan und Motivation heran zu gehen. Ohne sein altes Ich noch mit sich herum zu schleppen, gerade wenn man gemerkt hat, dass sich in den letzten Jahren viel getan hat und man sich selbst verändert hat.
Ich finde es auch wichtig, sich vorher zu überlegen, welche Größe und ganz wichtig, ob das Buch kariert, liniert oder blanko sein soll. Mir sind Notiz- und Tagebücher lieber, die Blanko-Seiten haben. Dann kann ich besser herumkritzeln und alles bekommt etwas mehr Persönlichkeit. Früher habe ich in den ganz klassischen Tagebüchern auch auf Linien geschrieben, aber mittlerweile stört mich das eher.




Traumtagebuch und Tagebuch trennen?


Sehr spannende Frage. Da ich sehr konfus, durcheinander und unzusammenhängend träume und mich zwar oft daran erinnere, das aber nur sehr sehr schwer in Worte fassen kann (ich träume sehr emotional und fühlend!), habe ich kein gesondertes Traumtagebuch. Wichtige Träume, die mir nahe gehen oder von denen ich denke, dass sie einen tieferen Sinn haben, schreibe ich so oder so in mein Tagebuch hinein. Mir kam schon einmal die Überlegung, meine Träume extra aufzuschreiben, aber das verlief im Sande.
Wenn man seine Träume aber dokumentieren möchte, würde ich empfehlen, ein extra Traumtagebuch zu führen und das von dem Alltag abzukoppeln.Einfach aus dem Grund, dass unsere Träume zwar oft Inhalte aus unserem Alltag aufgreifen, aber oft auch eine ganz eigene Welt für sich darstellen.



Der aktuellste Eintrag in meinem Tagebuch in der Woche vor dem Japantag.



So sieht klassischerweise ein Eintrag bei mir aus. Das ist btw. der erste Eintrag im neuen schnieken Tagebuch. ;)




Da der Japantag sehr wichtig für mich ist, kam auch die Planung in mein Tagebuch hinein. Jeder setzt für sich die Prioritäten, was in das Tagebuch gehört und was nicht. :)



Datum aufschreiben ist klar, aber die Uhrzeit auch?


Das ist gerade sehr witzig, da ich das eine Weile gemacht habe - aber nicht lange durchgehalten habe. Mal die Gegenfrage: wozu auch? Wenn man festhalten möchte, wann man etwas getan hat oder tun wird (oder man kann gerade nicht schlafen und schreibt deswegen um halb drei nachts nochmal ins Tagebuch), dann erwähnt man das ja sowieso. Ich mache das zumindest so und wenn ich dann später noch einmal die Einträge lese, steht da ja, dass es mitten in der Nacht war oder vormittags bevor ich dieses und jenes getan habe.




Tagebuch und Notizbuch mischen?


Nein, besser nicht. Es ist etwas anderes, ob man seine Gedanken in einem Tagebuch festhält oder ob man einen kurzen Geistesblitz oder eine neue Idee notiert. Das sind zwei sehr verschiedene Dinge, deswegen sollten sie meiner Meinung nach auch in getrennten Büchern festgehalten werden.
Natürlich kommt es darauf an, wie man Ideen oder Einfälle in einem Notizbuch notiert, aber seien wir doch mal ehrlich. Da wird fix etwas reingekritzelt, weil man es so schnell wie möglich aufschreiben will, damit man es nicht vergisst. Das ist etwas Schnelles, Eiliges und sehr sehr Grobes (meistens jedenfalls). Für sein Tagebuch sollte man sich Zeit und Ruhe nehmen und das sollte mit dem Gegenstand des Tagebuches auch verbunden sein.

Was man machen kann - und was mir selbst auch immer wieder passiert - ist es, verschiedene Notiz-/ Tagebücher festzulegen. Ich habe zwar nur ein Tagebuch (vielleicht dann bald/irgendwann ein Traumtagebuch, mal sehen) aber unglaublich viele Notizbücher. Eines, welches ich momentan am meisten nutze und wo alles mögliche reingeschrieben wird, vor allem aber schreibtechnische Dinge: Ideen zu neuen Geschichten oder Fanfiction, Gedanken und Plotausarbeitungen zu meinem Roman, Überlegungen und Gedanken zum Blog; eines, welches ich als Haushaltsbuch führe, meine Kassenzettel ganz brav einklebe und mir am Ende des Monats aufschreibe, wie viel ich wofür ausgegeben habe, etc; eines, welches ich als Food Diary nutze und aufschreibe, was ich gegessen habe und wie viele Kalos es hat. Das sind nur drei Beispiele von insgesamt sechs bis ach t Notizbüchern, die hier herum fliegen und die ich mehr oder minder gleich stark fülle.

Für mich persönlich ist es nichts, aber es gibt viele Leute, die ein besonderes Tagebuch für besonders traurige Momente, Depri-Phasen und dergleichen nutzen. Der Hintergedanke dabei ist es, sich dadurch von diesen sehr negativen Emotionen zu lösen und sie vom Alltag abzukoppeln.



So sieht es btw aus, wenn ich zu verschiedenen Zeitpunkten immer wieder Ideen zu einer Sache habe und dann einfach auf eine bestehende Notiz gekritzelt wird...



... oder wenn ich mich an Zeichnungen probiere.



Sollte man das Tagebuch immer mit sich herumtragen?


Dafür würde ich lieber das (die?) Notizbuch (-bücher) nutzen. Wie oben schon angeschnitten sind es zwei verschiedene Dinge, die man trennen sollte. 
Da mir an den unmöglichsten Orten Ideen und Geistesblitze kommen habe ich das eine aktuelle Notizbuch immer bei mir, damit ich ganz schnell aufschreiben kann, was mir gerade durch den Kopf schoss. 
Ein anderer Grund, weshalb ich mein Tagebuch nicht permanent in meinem Rucksack mit mir herum trage ist vielleicht für manche schwer nachzuvollziehen, ich versuche es gut zu erklären. Für mich ist mein Tagebuch ein Stückchen meiner Seele (momentan nicht viel und nicht sonderlich tiefgehend, aus Gründen) und die Vorstellung dieses Stück von mir in die weite Welt hinauszutragen und aus dem geschützten Raum meines Zimmers herauszubringen behagt mir ehrlich gesagt nicht - das mache ich nur sehr sehr selten! 
So wie ich mich kenne, würde es mir garantiert passieren, dass ich es irgendwo liegen lasse oder verliere - und das wäre nun wirklich das worst case Szenario. Nicht unbedingt, weil andere (mir vermutlich fremde) Menschen es lesen könnten, sondern weil ich dann im wahrsten Sinne des Wortes ein Stück von mir selbst verliere.

Was sehr nach Horcrux-Geschwafel á la Lord Nase klingt, ist ernster als es sich anhört. Keine Ahnung, wie es euch geht (vielleicht ähnlich?) aber meinem Tagebuch gegenüber öffne ich mich selbst mehr als Freunden gegenüber beziehungsweise auf eine andere Art und Weise. Daher finde ich die Vorstellung mein Tagebuch, dadurch dass ich es mit mir herumtrage, wie auf einem Silbertablett zu präsentieren, sehr erschreckend und unbehaglich.










Führt jemand von euch Tagebuch? Wenn ja, wie lange oder habt ihr vielleicht mit dem Gedanken gespielt, euch ein Tagebuch zu zulegen?





Kommentare:

  1. Ich führe kein richtiges Tagebuch, habe ich aber auch noch nie wirklich. Eine zeitlang habe ich alle paar MOnate mal eine Art Lagebericht in ein Notizbuch geschrieben, damit aber nach 1,5 Jahren und so...5 oder 6 Einträgen wieder aufgehört. Dabei finde ich das eigentlich toll, wenn man das später auch nochmal lesen kann.

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    1. Hey Anne,

      stimmt, ältere Einträge nochmal zu lesen kann wirklich sehr amüsant sein. :D
      Man sollte sich ja auch nicht gezwungen fühlen, ein Tagebuch zu führen bzw. nicht unter innerem Zwang hinein schreiben.
      Einen Lagebericht zu machen ist natürlich auch eine gute Möglichkeit, sich alle paar Monate darüber klar zu werden, was eigentlich Stand der Dinge ist und später vielleicht zu sehen, was und wie viel sich verändert hat. :)

      Liebe Dank für deinen Kommentar und ganz liebe Grüße,
      Moony

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  2. Eine Zeitlange habe ich ein, natürlich total Männliches (<- nah, das sagt ja eingentlich alles was ich über Tagebuch schreiben denke), Tage- /Traum-/Eintragsbuch geführt, irgendwann habe ich das dann aber rausgeworfen... schade eigentlich, so töricht die Einträge zweifelsfrei waren, zumindest die Seiten die sich mit dem ganzen herrlichen Drama unerfüllter erster Liebe beschäftig haben hätte ich so im nachhinein betrachtet doch lieber aufgehoben.

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    1. Hey Old Folkie,

      Tagebücher sind sowas von männlich! ;)
      Im Ernst, ich persönlich bewerte das gar nicht als typisch weiblich oder typisch männlich. Das ist halt etwas ganz eigenes und persönliches, es ist menschlich. :)

      Schade, dass du es rausgeworfen (--> weggeworfen?) hast. Es kann wirklich witzig sein, wenn man alte Einträge nochmal liest. An viele Sachen erinnert man sich sonst auch viel schwammiger, wenn man sie nicht nachlesen kann. :D

      Jugendliches Drama ist immer lustig! :D Aber es ist ja nie zu spät, wieder damit anzufangen, wenn einem danach ist. :)


      Vielen Dank für deinen Kommentar und liebe Grüße
      Moony

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