Dienstag, 19. April 2016

[Gedacht] Manche Dinge

"Manche Dinge muss man einfach machen."

Wie oft ich das schon bei einem Motivations-Mittwoch geschrieben habe. Wie oft habe ich schon an euch appelliert, über euren eigenen Schatten zu springen und gewisse Dinge endlich in Angriff zu nehmen. Weil man ganz tief in sich drin weiß, dass sie zwar nicht leicht sind, dass das Prozedere alles andere als stressfrei wird und es einem vielleicht alles viel zu anstrengend ist - aber weil man auch weiß, dass es gut für das eigene Wohl ist, dass der Weg zwar schwer, aber das Ergebnis nur besser als der Ausgangspunkt sein kann.

Ich tat "manche Dinge", Dinge, die ich schon lange vor mir herschiebe, von denen ich wusste, dass ich sie in Angriff werde nehmen müssen. Dinge, die ich nicht gerne tun möchte, die mir wehtun werden - das weiß ich schon jetzt. Dinge, die sich um das drehen, was mir am meisten im Weg steht und wovor ich mich am meisten fürchte - mich selbst.


Ich ging am vor zwei Wochen zur Psychologischen Beratungsstelle in Osnabrück.


Ich bin verknotet, wirr, kompliziert und dunkel. Bin mein größter Kritiker und das auf keine angenehme Art und Weise, nicht so, wie ich selbst andere kritisieren würde oder es zumindest so konstruktiv wie nur möglich zu machen versuche.
Ich bin destruktiv in sehr sehr vielem, was ich mache. Ich zerstöre mich, andere Menschen, Verbindungen und Freundschaften, weil ich Angst vor Nähe habe, Angst davor, wieder verletzt zu werden.
Ich brauche Nähe, lasse sie aber nicht zu. Ich verweigere mir selbst genau das, was ich eigentlich bräuchte und bin ein Meister darin, mir selbst weh zu tun und mir die größten Steine in den Weg zu legen. Ich bin mein eigenes Problem, mein eigener böser Zwilling, der alles torpediert, was ich machen will und was ich brauche. Ich stehe mir selbst so sehr im Weg, dass ich jeden Tag mit mir selbst kämpfe.
Ich vergraule Leute, bin aggressiv und verletzend. Ich sage Dinge, die ich auch so meine, formuliere sie aber teils mit Absicht bissig und gemein. Ich bin ein in die Enge gedrängtes Tier, welches darum bettelt, geliebt zu werden, aber nach jeder Hand schnappt und beißt, die auch nur die Andeutung macht, sich zu nähern.

Dann ist da die andere Seite, die die andere sehen; die ich andere sehen lasse. Und ich bin gerne so, bin gerne freundlich und nett. Ich mache gerne Späße, bringe Freunde gerne zum Lachen und bin auch lieber nett zu mir selbst, als selbstzerstörend und manipulierend und zerfressend und verletzend.

Dieses Hin und Her, dieses Auf und Ab, dieses Spiel zwischen Maskerade und Echtheit treibt mich mittlerweile zu einem Punkt, an dem ich nicht mehr weiß, wer ich eigentlich bin. Meine Meisterleistungen darin, mich vor mir selbst zu verstecken, eine ebene Fläche zu erzwingen, auf der ich mein Lächeln malen kann und unter der alles andere auch vor mir selbst versteckt liegt - all das lässt mich mich selbst nicht mehr erkennen. Wer bin ich eigentlich? Wie bin ich? 


Dass es so nicht weitergehen kann - und mir das schon seit Jahren bewusst ist - habe ich den Schritt gewagt und mir Hilfe gesucht. 
Denn momentan geht es mir gut. Mein letzter kleinerer Zusammenbruch ist schon eine Weile her und momentan funktioniert es gut, dass ich mir vor Augen führe, dass mein Leben gut ist, wie es momentan ist. Ich habe eine Wohnung, einen tollen Studiengang, Menschen, die mich mögen (und bei denen ich zaghaft versuche, es nicht zu versauen). Das Studium läuft gut, ich schaffe es, kleine Ziele zu erreichen - wenn auch nicht alle. 
Nach vielen Versuchen, den richtigen Moment zu finden, habe ich begriffen, dass es ihn nicht gibt. Jeder Moment ist der richtige, um etwas zu verändern. Jeder Moment ist geeignet, um festzustellen, dass es so, wie es ist, nicht weitergehen kann. Dafür muss sich nicht plötzlich der Himmel auftun und eine allmächtige Stimme zu mir sprechen und mir verkündigen, dass genau jetzt der Moment gekommen ist, an dem sich etwas ändern kann.

Schritt eins zur Beratung zu gehen ist geschafft. Nun steht Schritt zwei vor der Tür: ich muss die Telefonnummern von Psychologinnen abarbeiten, die mir der Mensch in der PSB gegeben hat. Das schiebe ich nun auch schon seit fast zwei Wochen vor mir her. Bzw. ich habe im Moment einfach noch nicht die Zeit gefunden. Aber ich werde es machen. So viel steht fest.

Denn momentan habe ich eine leichte Ahnung davon, wer ich bin und momentan fühlt sich einiges sehr richtig, sehr gut an. Ich darf nur nicht zu viel über die verborgenen Dinge nachdenken - zumindest nicht alleine.

Ich möchte wissen, was mit mir los ist, wie ich wieder Ich werden kann und dafür muss ich einige Dinge aufarbeiten, die mich seit ich denken kann sehr mitnehmen. Mein Vater verließ uns als ich knappe drei Jahre alt war. Es gab Streit um das Sorgerecht und den ganzen Kram. Ich bin ein totales Papakind (gewesen) und durch diverse, nicht sehr schön verlaufende Besuchswochenenden und immer stärker abnehmenden Kontakt fühlt man sich als Kind ungewollt und zurückgewiesen. Diese Dinge und der ganze emotionale Rattenschwanz (auf den ich jetzt hier gar nicht genauer eingehen will und kann) erschütterten mich so sehr, dass der Nachhall noch immer nicht verklungen ist und mich noch immer zum Zittern bringt. 

So wie ich momentan bin und es ohne Hilfe auch bleiben werde, will ich mich selbst niemandem antun geschweige denn beziehungstechnisch aufhucken. Ich brauche Menschen, brauche Freunde, brauche einen Halt, der mich mit sicherem Griff auf dem Boden hält und mich nicht abstürzen lässt, aber so wie ich jetzt bin, komme ich nicht einmal mit mir selbst klar, wie sollte es dann jemand anderes schaffen?

Daher mein Entschluss, das nicht alleine schaffen zu wollen und mir Hilfe zu suchen.




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