Samstag, 13. Februar 2016

Geschrieben | Meine 10 besten Schreibtipps für euch


Hallo meine Lieben!
Wie unschwer zu erkennen, möchte ich euch heute an meinen Erfahrung bezüglich des Schreibens teilhaben lassen, die ich in den letzten Jahren gesammelt habe. Ich musste lernen, aus anfänglicher Euphorie über neue Ideen schnell wieder auf den Teppich zurück zu kehren und habe ein paar Dinge gelernt und entdeckt, die mir geholfen haben.
Es ist ganz egal, ob ihr eine Kurzgeschichte, einen One-Shot (also eine Geschichte, die in einem einzigen Kapitel abgehandelt wird) oder - wie ich - einen Roman schreiben wollt oder schon dabei seid. Ich denke, ein paar der Tipps kann man auch auf nicht-fiktionale Texte beziehen, doch darauf lege ich momentan nicht mein Augenmerk.
Ich möchte auch betonen, dass dies Dinge sind, die mir persönlich aufgefallen sind oder die mir ganz persönlich helfen. Dieser Post soll lediglich dazu dienen, euch eine Hilfestellung zu bieten und soll weder als Anleitung zu verstehen sein, noch erhebt dieser Post Anspruch auf Vollständigkeit.



1. Das Ende steht am Anfang
Nach dem Buch ist vor dem Buch - oder so ähnlich. Überlegt euch am Anfang, wo eure Geschichte enden soll. Schreibt - vor allem anderen - das Ende; formuliert es aus, so wie ihr es euch jetzt vorstellt. Macht euch bewusst, wohin sich eure Figur(en) entwickeln soll(en) und an welchem Punkt, welchem Ort, welcher Zeit eure Geschichte enden soll. Habt ihr einen solchen Punkt für euch festgelegt, erleichtert euch dies eine ganze Menge, da ihr im Geiste quasi euer Ziel markiert habt und nun "nur noch" dorthin gelangen müsst.





2. Planung ist alles
Nicht nur das Ende solltet ihr euch vorher überlegen, sondern auch im Groben den gesamten Plot. Wo fängt die Geschichte an? Über welche Zeit geht sie? Wem begegnet der Protagonist wo und wann; legt wichtige, entscheidende Momente fest. Markiert euch Einleitung, Hauptteil und Schluss und überlegt euch, mit wie vielen Kapiteln (oder wie viel "Screentime" - bei Kurzgeschichten, One-Shots oder dergleichen) ihr diese Teile abhandeln wollt.
"Einfach mal drauf losschreiben" kann sehr gut funktionieren, nur kommt ihr damit nicht unbedingt sehr weit. Jeder Mensch ist anders und es gibt sicherlich einige unter euch, die vielleicht am besten schreiben können, wenn sie sich keine großen Gedanken darüber machen. Aber es hilft ungemein - bei großen und kleinen Projekten gleichermaßen - einen Rahmen abzustecken und sich vorher die gröbsten Dinge genau zu überlegen. Dann passieren euch keine großartigen Logikfehler oder Zeitlücken. Wenn ihr eine Abfolge habt, wie wann was wo stattfinden soll ist es außerdem auch leichter, überflüssige Stellen herauszufinden oder zu merken, wo noch etwas deutlicher gemacht werden soll.
Kurzum: Plot und Setting vorher festzulegen ist das A und O.


3. Texte virtuell speichern
Ich habe nun schon einige PC-Abstürze und kaputte Speichersticks mitgemacht, dass selbst ich, die sonst nicht viel von Clouddiensten hält, darauf zurückgegriffen habe, meine Texte via Dropbox abzuspeichern. Ich hatte den Account aufgrund meiner FSJ-Seminar-Zeit sowieso noch und nutze ihn seit ein paar Wochen nun auch, um meine Texte zu speichern. Nicht nur, dass ich nun sowohl vom PC als auch vom Laptop auf die gleichen Dokumente zugreifen kann, es ist auch ein super befreiendes Gefühl, sich keine Gedanken darüber machen zu müssen, was passiert, wenn der Stick / PC mal wieder abschmiert. Das ist so unglaublich frustrierend, wenn alle (!!) Texte auf einmal weg sind. 




4. Charakterdesign
"Ich hab Liz im Großen und Ganzen im Kopf, ich muss das nicht aufschreiben und ausformulieren!"
Oh doch, genau das musste ich - und das war gut so. Dinge, über die man sich eigentlich keine Gedanken macht, sind auf einmal entscheidend, vor allem für den Leser. Natürlich habt ihr eure Figuren im Kopf und habt ein Gefühl für sie, das ist auch gut und richtig. Nichtsdestotrotz hilft es, die Dinge, die man im Kopf hat, aufzuschreiben. Aus dem einfachen Grund, weil man sie dann nicht mehr im Kopf haben muss. 
Was zunächst paradox klingen mag, ist eigentlich ganz simpel: ich muss nicht jedes Mal versuchen, mich daran zu erinnern, wie alt genau Tiger war, als ihre Mutter Katja endlich die Scheidung von ihrem Mann durchbekommen hat, wie viel Jahre später Tiger dann Liz traf und ach ja, wie alt war Liz nochmal als sie zum x-ten Mal das Heim gewechselt hat? Aufschreiben, nachschlagen, fertig.

Ihr selbst kennt eure Figuren besser als jeder andere und auch die Charaktere, die ihr selbst nicht mögt, haben eine Vergangenheit, die zumindest euch selbst klar sein muss, damit ihr deren Handeln verständlich und nachvollziehbar, logisch abfolgend, erklären und beschreiben könnt.
Auf pinterest und generell im Netz gibt es unglaublich viele Character-sheets, die man ausfüllen kann. Es werden Fragen gefragt, die man sich selbst vielleicht nie gestellt hat, irgendwie selbstverständlich sind oder eure eigenen Figuren für euch selbst auf einmal in einem ganz anderen Licht darstehen lassen. Nicht nur, dass ihr selbst dadurch eure Figuren besser kennen lernt, sie bekommen auch mehr Tiefe und Authentizität - und das merken die Leser!




5. Individuelle Schreibmethode herausfinden.
Mir persönlich fällt es viel viel leichter, per Hand zu schreiben und dann später am PC / Laptop die handschriftlichen Kapitel abzutippen. Meist verändere ich beim Tippen das ein oder andere Wort, formuliere doch noch einmal um oder bemerke, dass ich teilweise logische Fehler drin habe, weil es mal wieder viel zu spät war.
Jeder ist da anders, manche Leute können besser direkt per Tastatur ihre Gedanken niederschreiben (so geht es mir beim Bloggen teilweise, da bin ich beispielsweise noch gar nicht so sicher, was für mich das beste ist), aber ich kann es nur empfehlen, per Hand zu schreiben. Vor allem dauert es länger, ein Wort per Hand zu schreiben, als an der Tastatur. Dadurch könnt ihr schon halb weiterdenken und habt einen besseren Schreibfluss.




6. Stift und Papier // Notizen
Meistens kommen die besten Ideen nicht, wenn man gerade vor dem Zettel / Word-Dokument sitzt, sondern in der Bahn, im Bus, in der Uni (was? nein, niemals... da passt man doch ganz vorbildlich auf!) oder unter der Dusche. 
Kleiner Funfact an dieser Stelle: wenn ich alleine bin und mir niemand zuhören kann, spreche ich unter der Dusche Szenen durch, um zu wissen, ob Gespräche wirklich authentisch klingen. Gut, dass das nie jemand mitbekommt, die würden mich direkt einweisen.
Im Idealfall habt ihr immer etwas zu schreiben dabei, um euch die Gedankenblitze zu notieren.
Mir persönlich fällt es meistens ziemlich schwer, ohne Stift und Papier aus dem Haus zu gehen und wenn ich es doch, ohne es zu merken, getan habe, bete ich immer, dass mir jetzt bloß keine gute Idee kommt, weil ich sie nicht festhalten kann. :D

Außerdem kann ich euch nur empfehlen, euch Notizen zu den kleinsten Details zu machen, wenn sie kommen und immer wieder in eure Aufzeichnungen zu schauen. Manchmal verbringe ich ein paar Stunden damit, durch meine Notizbücher zu blätter, Ideen zu lesen, weiter auszubauen oder zu streichen. Macht Zeitverläufe und Ablauffolgen, sammelt Zitate, die Figuren zueinander sagen, notiert euch Namen für Städte, wenn sie euch plötzlich in den Sinn kommen.
Es macht mir persönlich immer super viel Spaß durch meine Aufzeichnungen zu blättern und mir das Sammelsurium durchzulesen - auch schon zu Szenen, Dialogen, Orten, die erst in weiter weiter Zukunft auftauchen werden.
Das ist ein wenig Fanservice für euch selbst, das sollte man wirklich nicht vernachlässigen. Es gibt meistens diesen einen Punkt in der Geschichte, auf den man selbst am meisten hinfiebert, diese eine Begegnung, diese eine Stadt, die sie endlich erreichen sollen. Ich finde es total wichtig, sich selbst nicht die Freude zu nehmen und immer alles hinten anzustellen. Ihr könnt manche Szenen schreiben, wenn euch gerade danach ist, auch wenn sie noch lange keine Rolle spielen werden. Warum auch nicht? Wenn es sich jetzt gerade gut anfühlt, genau diesen Augenblick auf Papier festzuhalten, wieso nicht? Wer hindert mich denn daran, Szenen mit Liz zu schreiben, die in ganz anderen Welten stattfinden werden?




7. Lesen, lesen, lesen
Fresst Bücher! Das meine ich wirklich so: zum Schreiben gehört das Lesen dazu. Je mehr ihr lest, desto mehr Gefühl bekommt ihr für die Sprache. Versucht beim Lesen auf den Schreibstil des Autoren zu achten. Wann macht er Absätze? Wie strukturiert er die zeitliche Abfolge? Welche Perspektive nutzt er zum Erzählen? 
Am besten funktioniert das mit Büchern, die ihr schon gut kennt und zum zweiten oder dritten Mal lest. Ihr kennt die Story, wisst, was passiert und überrascht euch nicht mehr so sehr, wie beim ersten Lesen. Es fällt dann viel leichter, sich ein wenig auf Stil und Atmoshpährengestaltung des Autors zu konzentrieren und sich die ein oder andere Sache abzugucken.
Noch ein Funfact: ich kann an meinen eigenen Texten nachvollziehen, wann ich in der Splitterherz -Triologie gelesen habe. Ich schreibe anders, wenn ich vor kurzem noch die Nase in diesen Büchern hatte. :D


8. Kapitelplot grob skizzieren
Das ist einer dieser Tipps, die mir persönlich ziemlich gut helfen. Oft - nicht immer, hüstel - schreibe ich mir ganz grob auf, was in dem Kapitel alles geschehen soll. Nur in wenigen Sätzen und mit vielen Pfeilen - was führt zu was, und woraus resultiert dieses.
Das muss nicht jedem helfen und viele Kapitel habe ich auch einfach schon "so herunter geschrieben", aber gerade wenn es ein wichtiges, komplexes oder sehr flaches Kapitel ist, hilft es ziemlich, sich zu überlegen, wie die unterschiedlichen Dinge zusammenhängen. Auch wenn man aus verschiedenen Perspektiven schreibt, ist es sinnvoll, vorher die Reihenfolge festzulegen, in der die Figur wechselt.




9. Schreibblockaden nicht aussitzen
Natürlich widme ich mich auch denn allseits bekannten und verhassten Schreibblockaden. Jeder hatte schon einmal eine und weiß, wie furchtbar und schwierig es sein kann, dort wieder herauszukommen.
Mein Tipp ist einer, den ich selbst früher nie leiden konnte: einfach weiter schreiben. Nicht warten, bis die Blockade von alleine weggeht, sondern versuchen, weiterzuschreiben. Manchmal hilft es auch, sich das aktuelle Kapitel oder die gesamte Story - je nachdem, wie lang sie schon ist - noch einmal zu lesen. Das mache ich auch oft, wenn ich einen Hänger habe. Dann bin ich so im Lesen drin, dass ich oft gut wieder an den letzten Satz anknüpfen kann.

Und wenn es an dieser einen Stelle gerade nicht funktionieren will, dann schreibt etwas anderes. Es gibt unzählige Writing Prompts auf pinterest, tumblr und wie sie nicht alle heißen, zu denen ihr eure Figur handeln lassen könnt. Es muss nicht unbedingt zu der Szene passen, die ihr gerade schreibt, nicht einmal zur eigentlichen Story. Oder ihr schreibt eine Zusammenfassung des Charakters einer Figur, seine Vergangenheit, wo es noch hingehen soll, welche anderen Figuren wichtig sind oder noch werden. Auch wenn ihr das schon einmal geschrieben habt (oder mehrmals), ist vollkommen egal. Es ist nur wichtig, dass ihr weiter schreibt. 
Ich kenne das von mir selbst: wenn man nicht weiter kommt ist man frustriert und schreibt erst mal nicht und dann vergehen Wochen! 
Natürlich kann man sich mal einen Tag "frei" nehmen, das will ich gar nicht sagen, aber ich finde es wichtig, dann nicht in ein schreibloses Loch zu fallen und Ewigkeiten nichts mehr auf Papier zu bringen. (Und wenn es "nur" ein Blogpost ist ;) )


10. Nichts ist in Stein gemeißelt
Den, meiner Ansicht nach, wichtigsten Tipp habe ich mir bis zum Schluss aufgehoben. Denkt daran, dass das nur ein erster Entwurf ist. Das Rohmaterial, aus dem ihr dann später den Diamanten schleift. Nichts muss direkt auf Anhieb perfekt sein, das verlangt niemand von euch, also stellt euch nicht diese unmögliche Anforderung an euch selbst.
Vor allem auf einem meiner FSJ-Seminare habe ich sehr viel "Mut zum falschen Strich" gelernt und das ziehe ich beim Schreiben auch immer mehr durch.
Es ist viel leichter, Szenen zu überarbeiten und zu verbessern, wenn sie da wenigstens schon einmal schwarz auf weiß vor euch liegen, als aus dem Nichts heraus die Perfektion zu erschaffen.
Ihr könnt alles ändern, was ihr wollt, nichts ist in Stein gemeißelt und kein boshafter Gnom wird meckernd aus eurem Schrank gesprungen kommen, wenn ihr Ideen, Szenen, ganze Figuren verändert, streicht oder neu schreibt.
Erst einmal die Story zu Papier bringen, daran herumfeilen könnt ihr dann immer noch! Glaubt das einer Perfektionistin! :D Erst so langsam komme ich wirklich dazu auch mal "alle Fünfe gerade" sein zu lassen und auch Formulierungen, die nun nicht unbedingt das Gelbe vom Ei sind (manchmal sogar nur das Grüne vom Nicht-einmal-ein-Ei!), einfach stehen zu lassen.
Schreibt so, als würde es nie irgendjemand lesen!



Ich hoffe sehr, meine Tipps konnten euch ein wenig weiter helfen und euch vielleicht gerade aus einem KreaTief herausholen. :)



1 Kommentar:

  1. Ich schriebe ja keine Bücher, allerdings kann ich den Punkt: Ich schreibe anders wenn ich ... lese sehr gut nachvollziehen. So ging es mir in der Schule. Ich hab es immer vermieden Texte von Mitschülern zu lesen um meine eigenen Gedanken nicht zu verlieren.
    Ich hab meine Sprache bei Erörterungen auch immer sofort an der zuvor gelesenen Text angepasst.
    Auch meine Satzstellung verändert sich, wenn ich unterschiedliche Bücher lese.

    Ich bewundere Leute die ganze Bücher schreiben, ich war mit Kurzgeschichten schon immer an der Grenze meiner Fantasie :D

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